Du hast jemanden.
Jemanden, der neben dir schläft. Der mit dir frühstückt. Der abends auf dem Sofa sitzt.
Und trotzdem ist da dieses Gefühl.
Dieses leise, schwere Gefühl, das du kaum benennen kannst.
Ich bin doch nicht allein. Ich habe ihn doch.
Und genau deshalb sagst du nichts. Weil du denkst: Wer eine Beziehung hat, kann sich nicht einsam fühlen.
Aber das stimmt nicht. Und die Zahlen beweisen es.
Einsamkeit in Deutschland – ein unsichtbares Problem
Einsamkeit gilt noch immer als das Problem von alten Menschen in Pflegeheimen. Oder von Singles, die freitagabends allein vor dem Fernseher sitzen.
Dabei ist die Realität eine andere.
Laut dem Sozialbericht 2024 der Bundeszentrale für politische Bildung geben 18 Prozent der Frauen in Deutschland an, sich oft einsam zu fühlen – bei Männern sind es 15 Prozent. Frauen zwischen 18 und 29 Jahren sind am stärksten betroffen: hier fühlt sich jede Vierte regelmäßig einsam.
Das ist keine Randnotiz.
Das ist eine stille Erschöpfung, die mitten unter uns stattfindet.
Das Paradox: Am einsamsten in der Beziehung
Jetzt kommt das, was viele überrascht.
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft aus 2024 zeigt: Zwischen 2017 und 2021 ist das Einsamkeitsgefühl bei Paaren stark angestiegen – und dabei vor allem bei Frauen in Partnerschaften. Genau diese Gruppe äußert ein stärker gestiegenes Einsamkeitsgefühl als alle anderen Familienformen.
In einer Umfrage gaben 25 Prozent der Befragten an, sich in ihrer Beziehung hin und wieder einsam zu fühlen. Rund 9 Prozent sogar häufig. Eine Parship-Studie unterstreicht das: 45 Prozent der Frauen fühlen sich im Leben hin und wieder einsam – bei Männern sind es 36 Prozent.
Einsamkeit verschwindet also nicht dadurch, dass man jemanden hat.
Warum Frauen in Beziehungen so häufig allein sind
Das ist kein Zufall. Und es liegt nicht an dir.
Du trägst mehr.
Die unsichtbare Arbeit – das Planen, Koordinieren, Erinnern, Kümmern – liegt zu großen Teilen bei Frauen. Frauen leisten pro Woche knapp 29,5 Stunden unbezahlte Sorgearbeit, Männer rund 20,5 Stunden (Statistisches Bundesamt, 2022). Wer so viel trägt, hat wenig Energie für echte Verbindung.
Du wirst emotional weniger gehört.
Psychologe John Gottman hat gezeigt: Männer neigen häufiger zum Rückzug in Konflikten. Frauen versuchen, durch Gespräche zu lösen. Wenn diese Gespräche ins Leere laufen, entsteht Unverstandensein. Und das ist der Kern von Einsamkeit.
Du glaubst, du darfst das nicht fühlen.
Weil du jemanden hast. Weil ihr ein gutes Leben habt. Weil andere es schwerer haben.
Und so schweigst du.
Was das mit der Zeit macht
Einsamkeit, die nicht gehört wird, wächst.
Irgendwann gewöhnt man sich daran. Man funktioniert. Man sagt: Ist halt so.
Aber innerlich zieht sich etwas zusammen. Und irgendwann – oft nach Jahren – merken Frauen: Ich weiß gar nicht mehr, was ich wirklich brauche. Ich weiß gar nicht mehr, wer ich außerhalb dieser Beziehung bin.
Das ist kein Zeichen, dass die Beziehung kaputt ist
Einsamkeit in der Beziehung bedeutet nicht, dass die Liebe weg ist. Es bedeutet oft: Etwas hat sich festgefahren. Muster haben sich eingeschliffen. Und niemand hat sie benannt.
Veränderung beginnt nicht mit dem Partner.
Sie beginnt mit dir.
Mit dem Moment, in dem du aufhörst zu glauben, dass du falsch liegst mit deinem Gefühl.
Das ist kein egoistischer Akt.
Das ist der erste Schritt zurück zu dir selbst – und damit auch zurück zu einer echten Verbindung.
Du musst das nicht alleine herausfinden
Wenn du diesen Artikel liest und dich erkennst –
wenn du schon lange trägst, wartest, hoffst –
dann lade ich dich ein, dir Unterstützung zu holen.
In meinem Gruppen-Programm begleite ich Frauen genau in dieser Situation. Nicht mit schnellen Beziehungstipps. Sondern mit einem geschützten Raum, in dem du wieder Klarheit über dich gewinnst. Über das, was dich erschöpft. Über das, was du wirklich brauchst.
Du musst nicht erst wissen, ob deine Beziehung die richtige ist.
Du musst nur wissen, dass du mehr verdienst als dieses leise Allein-Sein.
Charlotte Stümer ist Psychologin und begleitet Frauen, die sich in ihrer Partnerschaft erschöpft, unglücklich oder emotional allein fühlen – zurück zu mehr Klarheit, Leichtigkeit und Verbindung.


