Ein Abend im Wohnzimmer GE – und warum Erschöpfung kein persönliches Versagen ist

Am 3. Mai war ich in Gelsenkirchen.

Im Wohnzimmer GE – einem kleinen, warmen Kulturort mitten in der Stadt – hat Alexandra Zykunov aus ihrem Buch „Was wollt ihr denn noch alles?!“ gelesen.

Der Raum war voll.
Fast ausschließlich Frauen.
Viele davon Mütter.

Und ich habe viele bekannte Gesichter gesehen.
Nicht Gesichter von Menschen, die ich kenne.
Sondern Gesichter, die ich kenne.

Den Ausdruck von jemandem, der funktioniert.
Der schon lange funktioniert.
Der sich fragt, warum es sich trotzdem so schwer anfühlt.


Was an diesem Abend benannt wurde

Alexandra Zykunov ist keine, die leise spricht.
Sie benennt Dinge direkt, manchmal unbequem – und immer mit Daten und Fakten im Rücken.

An diesem Abend ging es darum, was Frauen in Deutschland wirklich leisten.
Was sichtbar ist. Und was nicht.

Wer die Care-Arbeit trägt.
Wer die Arzttermine kennt.
Wer nachts wach liegt und an morgen denkt.
Wer lächelt, obwohl er längst am Limit ist.

Ich habe in diesem Raum Frauen sitzen sehen, die nickten.
Nicht überrascht.
Sondern erleichtert, weil jemand endlich ausspricht, was sie schon lange fühlen.


Warum das so wichtig ist

Was Zykunov beschreibt, hat einen Namen: strukturelle Ungleichheit.

Frauen – und besonders Mütter – sind nicht erschöpft, weil sie zu schwach sind.
Oder weil sie sich nicht gut genug organisieren.
Oder weil sie einfach mehr wollen, als möglich ist.

Sie sind erschöpft, weil das System so gebaut ist.

Weil Fürsorge unsichtbar gemacht wird.
Weil Mental Load kein Wort hat, das jeder kennt.
Weil Leistung nur zählt, wenn sie sich in Geld messen lässt.

Das ist eine wichtige Wahrheit.
Und sie entlastet.


Aber es gibt noch etwas

Ich bin an diesem Abend mit einem Gedanken nach Hause gefahren, der mich seither nicht loslässt.

Strukturelle Ungleichheit erklärt die Erschöpfung.
Aber sie löst sie nicht.

Die Verhältnisse ändern sich nicht von heute auf morgen.
Vielleicht nicht einmal in diesem Jahrzehnt.

Und in der Zwischenzeit?

In der Zwischenzeit stehst du auf.
Packst die Brotdosen.
Gehst arbeiten.
Hältst deine Beziehung zusammen.
Und fragst dich manchmal abends, warum du dich so alleine fühlst – obwohl da doch jemand neben dir liegt.


Was ich in meiner Arbeit immer wieder sehe

Viele Frauen, die zu mir kommen, haben diese Zusammenhänge bereits verstanden.

Sie wissen, dass sie mehr tragen als ihr Partner.
Sie wissen, dass das nicht fair ist.
Sie haben es erklärt, besprochen, gefordert.

Und trotzdem hat sich etwas in der Beziehung festgefahren.
Ein Muster, das sich wiederholt.
Ein Gefühl, das bleibt.

Die Erschöpfung kommt nicht nur von draußen.
Sie kommt auch von innen:

Von Gedanken wie: Ich muss das doch alleine schaffen.
Von Glaubenssätzen wie: Wenn ich nicht funktioniere, bricht alles zusammen.
Von der stillen Überzeugung: Meine Bedürfnisse kommen zuletzt.

Und diese inneren Muster – die hat kein Koalitionsvertrag der Welt bisher verändert.


Was sich ändern kann

Ich sage das nicht, um strukturelle Kritik kleinzureden.
Zykunov hat recht. Das System muss sich ändern.

Und gleichzeitig:

Du musst nicht warten, bis es das tut.

Es gibt einen Raum, in dem du anfangen kannst.
Bei dir.
Bei den Gedanken, die dich festhalten.
Bei den Mustern, die dich immer wieder an dieselbe Stelle führen.
Bei der Frage, was du eigentlich brauchst – und warum es sich so schwer anfühlt, das auszusprechen.

Das ist keine Aufforderung, alles mit dir selbst auszumachen.
Es ist eine Einladung, an dem Ort anzufangen, an dem du wirklich etwas bewegen kannst.


Vielleicht ist das auch für dich ein Moment

Wenn du diesen Text liest und nickst –
wenn du weißt, wovon ich schreibe –
wenn du schon lange funktionierst und dir wünschst, dass sich etwas verändert:

Dann ist mein Gruppen-Programm vielleicht ein guter nächster Schritt.

Kein Schnellkurs. Kein Optimierungsprogramm.
Sondern ein geschützter Raum, in dem du mit anderen Frauen wieder Klarheit über dich selbst gewinnst.

Über das, was dich erschöpft.
Über das, was du wirklich brauchst.
Und über neue Wege in deiner Beziehung – auch wenn sich dein Partner nicht verändert.

Mehr zum Gruppen-Programm


Ich bin froh, dass ich an diesem Abend in Gelsenkirchen war.

Nicht weil Zykunov mir etwas Neues gesagt hat.
Sondern weil solche Abende daran erinnern, warum diese Arbeit wichtig ist.

Für dich. Und für alle Frauen, die sich fragen, ob es auch anders sein kann.

Es kann.

Was wollt ihr denn noch alles?
Alexandra Zykunov